Timelapse, Zeitraffer und die Sterne. Eine Anleitung.

Übernommen aus der alten Webseite:

So, der erste Workshop in 2012 ist vorbei. Es war ein großartiger Abend, Neumond und gleichzeitig voller Sternschnuppen. Als Zucker haben die Freunde aus Unterwössen noch ein Feuerwerk abgeschossen. Danke dafür.

Hier also nun die Checkliste, die ich dummerweise vergessen habe mitzubringen.

Vorbereitung:

  • Akku laden
  • große Speicherkarte leeren (mehrere kleine Speicherkarten ersetzen nicht eine große Karte)
  • Batterie vom Timer checken
  • etwas zum lesen oder Laptop mit gutem Film einpacken (alternativ jemanden zum voll-labern)
  • Immer zuviel Kleidung, Getränke und Essen dabei haben
  • eine Sitzgelegenheit in Form eines Klappsessels einpacken (die gibt es auch mit Getränkehaltern)
  • sich merken wo man die Objektivabdeckung hinlegt

Generelle Liste:

  • in Modus M wechseln
  • AF ausschalten (am Objektiv)
  • IS ausschalten (am Objektiv)
  • Blende einstellen und am besten manuelles Objektiv mit Blendenring verwenden.
    Hintergrund: Objektive treffen die Arbeitsblende unter Umständen nicht genau – sie stehen ja im Normalzustand auf Offenblende. Das kann ein flackern in der Bildserie erzeugen.
  • ISO automatik ausschalten
  • ISO-Wert wählen (=< 800)
  • Belichtungszeit einstellen
    ab ca. 30 Sekunden werden Sterne selbst bei Ultraweitwinkelobjektiven zum Strich oder zumindest oval, je länger die Brennweite, desto schneller dieser Effekt!
  • Scharfstellen, Testfoto machen, reinzoomen und prüfen
  • Tone-Priority ausschalten
    Tone-Priority erzeugt flackern
  • Lanzeitbelichtungskompensierung ausschalten
    Das treibt die Belichtungszeit unnötig in die Höhe (um Faktor 2)
  • Weißabgleich auf manuell stellen
    ca. 4000K ist toll
  • Modus wählen (RAW)
    JPG erzeugt durch die unterschiedlichen Bildinhalte und die dadurch entstehende unterschiedliche, automatische Bearbeitung flickern
  • Blitzauslösung unterdrücken
  • Display ausschalten um den Akku zu schonen
  • Augenöffnung verschließen
    ein Stück Gaffa bewirkt Wunder und ist schnell wieder entfernt. Ist die Augenmuschel offen, kann Licht von hinten unschöne flecken in den Bildern erzeugen
  • Kurz überschlagen ob die Speicherkarte reicht.
  • Regenschutz
    ein großer Müllsack mir abgeschnittener Ecke, festgeklebt an der Gegenlichtblende funktioniert sehr gut

additional bei starken Lichtänderungen (Sonnenauf- oder Untergang):

  • Modus AV verwenden
  • Blende vorwählen
  • Belichtungsmessung auf “ganzes Bild” einstellen, sonst erzeugt jede Wolke vor der Sonne eine unerwünschte änderung der Belichtungszeit

Nun kann es losgehen. Noch einmal alles überdenken, Einstellungen ggf nochmal kontrollieren. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig. Denn nun kommt der wichtigste Grundsatz und daran sollte man sich auf jeden Fall halten:

Dann die Kamera nicht mehr anfassen bis Akku leer oder Speicherkarte voll – egal was passiert.

Man hat ja wenn die Kamera läuft viel Zeit und schaut sich die Gegend an und kommt zwangsläufig zu der Erkenntnis das ein paar Meter weiter auf jeden Fall der bessere Platz für die Kamera wäre. Wenn man dann umbaut, fängt man von vorne an und kommt dann aber wieder zu der gleichen Erkenntnis. Am Ende des Abends hat man 4 mal umgebaut und 4 Clips, die alle wahnsinnig toll und jeweils 3 Sekunden lang sind. Herzlichen Glückwunsch. Darum einfach laufen lassen und wann anders wiederkommen…
Oft denkt man sich auch: der Abend hat so schön angefangen und jetzt sind nur noch Wolken da. Dann bricht man ab und guckt sich das Material später an und ist begeistert von den Wolken. Leider ist die Sequenz dann auch nicht zu gebrauchen…

Ein paar Dinge beeinflussen sich leider gegenseitig:

Je länger die Belichtungszeit, desto höher die Gefahr durch starke Sensorerwärmung Hot Pixel zu bekommen
Je höher der ISO-Wert, desto höher das Grundrauschen
Je offener die Blende, desto größer die Gefahr unscharfe Aufnahmen zu bekommen
Hier muss man also sehen, was die besten Einstellungen sind – es wird immer ein Kompromiss sein. Generell gilt:

ISO so weit runter wie möglich
so kurz belichten wie möglich
so lange belichten wie nötig
Blende so weit zu wie möglich
Blende so weit auf wie nötig

Der Timer:

Im Modus AV kann die Belichtungszeit bis zu 30s betragen. Auf den Interval auf jeden Fall die Zeit, die die Kamera zum speichern benötigt berücksichtigen und dazu rechnen
Je kürzer der Interval, desto langsamer die Bewegungen im Film. Achtung: Schneller machen geht immer, langsamer machen dagegen nur mit Verlusten.
Wem es nicht zu doof ist später Bilder in Handarbeit rauszunehmen, der kann als Interval auch z.b. 10 Sekunden einstellen. Während die Kamera belichtet, hat der Auslöser keine Auswirkung. Also wird die Pause zwischen den Bildern möglichst kurz.

Checkliste gegen Flackern

Hier die häufigsten Ursachen für flackern im timelapse:

  • Blende
  • Belichtung
  • Nachbearbeitung
  • weißabgleich

Fehlerquelle 1:

Wurde ein manuelles Objektiv verwendet (also eines mit Blendeneinstellung am Objektiv) oder ein automatisches Objektiv auf Offenblende verwendet (alternativ kann auch das Objektiv durch drücken der Abblendtaste auf die Arbeitsblende gebracht werden und während man die Taste gedrückt hält wird das Objektiv ein bisschen aus dem Bajonett gedreht. Sozusagen eine undokumentierte Zwischenstellung zwischen “dran” und “weg”)? Falls ja, weiterlesen…

Fehlerquelle 2:

Wurde die Belichtung manuell eingestellt bzw. wurde im Automatikmodus auf “Messung des gesamten Bildes” umgestellt? (manche Kameras werden das dennoch nicht ordentlich machen befürchte ich – wer auf Nummer sicher gehen will, muss die Zeit manuell einstellen). Falls ja, weiterlesen…

Fehlerquelle 3:

Wurde als RAW aufgenommen? JPEG wird von der Kamera erzeugt und wird somit eigentlich immer flackern erzeugen, weil die Kamera für jedes Bild einen eigenen Bearbeitungsweg einschlägt). Falls ja, weiterlesen…

Fehlerquelle 4:

Wurde der Weißabgleich manuell eingestellt? Auch der automatische Weißabgleich kann flackern erzeugen.

Das sind nur mal so die Klassiker unter den Fehlern, ich werde die Liste bei Gelegenheit mal erweitern…

Was man für die Post-Produktion wissen sollte

Ein Film besteht im Normalfall aus 25 Bilder / Sekunde. Das heisst für uns, Timelapsen ist sehr Zeitaufwendig. Wenn man davon ausgeht das man alle 30 Sekunden ein Bild macht, hat man pro Stunde gerade mal 2 Sekunden Film. Nehmt euch also Zeit mit und lasst die Kamera wirklich laufen solange Sie kann. Es ist auch gut, vor und nach der “guten” Szene noch ein bisschen Luft zu haben. Also auch wenn das Motiv dann doof ist, sollte man eigentlich noch mindestens eine besser zwei Stunden warten…

Der Prozess

Generell kann man sich den Arbeitsablauf so vorstellen:

RAWs bearbeiten
Bilder aneinander fügen
als Film rendern

Mein Workflow

Ich verwende zur Bearbeitung der RAWs Adobe Bridge bzw Camera RAW von Adobe. Hier habe ich für mich einfach am meisten ahnung. Theoretisch geht natürlich auch jede andere RAW-Bearbeitungssoftware (die meisten Kameras haben so etwas dabei).

Als erstes bearbeite ich das erste Bild, dann das letzte. Es müssen nicht alle Einzelbilder bearbeitet werden, das passiert dann automatisch mit der schlauen Software “LRTimelapse”. Ist übrigens umsonst das Ding und macht nichts anderes als die Zwischenschritte zwischen dem ersten und dem letzten Bild zu berechnen und in die Metadaten des jeweiligen Bildes zu schreiben. Das funktioniert sehr gut und kann auch noch mit einem deflicker-Algorithmus kombiniert werden. Auch der funktioniert recht gut. Alle Änderungen – und das ist wichtig – sind non-destruktiv, lassen sich also auch wieder rückgängig machen. Die Original RAWs bleiben unverändert.

Wir haben also eine RAW-Sequenz mit allen Bearbeitungen. Diese Sequenz lade ich nun als Bildsequenz in After Effects (weil ich damit einfach gut zurande komme). Es gibt hierfür auch andere Software, sicher auch für umsonst – hier muss man einfach mal googeln. Weil meine Bilder natürlich viel größer sind als ein normales Video (Fotokameras haben hier immer noch die Nase wahnsinnig weit vorn), kann ich das Video entweder kleiner machen (mein Endformat ist normalerweise immer FullHD, also 1920 x 1080 px, außer es sind wirklich wahnsinnig gute Sachen die ich in 4K haben will) oder ich kann das Bild croppen, also beschneiden. Wenn ich mit langen Brennweiten arbeite (Mond z.B.) kann ich durch croppen die Brennweite ohne Qualitätsverlust nochmal verdoppeln (weil ich ja nur einen Bildausschnitt verwende).

Ist diese Bearbeitung abgeschlossen, gebe ich das Ergebnis als Film aus. Hier gilt zu beachten: Nehmt einen ordentlichen Codec. Wenn vorhanden, ist Quicktime ProRes LT das Format der Wahl, für Web gerne einen H.264-Codec.

… aber das ist ein ganz anderes Thema…