Kamera und Blitze auslösen – oder auch Funkauslöser, Kameratrigger, Bilder machen, ETTL-Kabel, CLS, HSS

Eigentlich war der erste Titel dieses Eintrags „Funkauslöser“, aber das trifft es nicht ganz – denn hier geht es auch um kabelgebundene Lösungen. Zweiter Versuch: „entfesselt blitzen“ – aber auch das war nicht genug, denn nicht immer löst die Kamera den Blitz aus, manchmal ist es auch völlig anders…

Aber fangen wir von vorn an:

Irgendwann kommt bei vielen der Wunsch nach Blitzlicht. Denn Blitzlicht ist eigentlich cool. Hell genug um bei niedrigen ISO-Zahlen Bilder mit hoher Tiefenschärfe zu machen und es ist vor allem sehr gut formbar. Nun gibt es die verschiedensten Blitze und unzählige Lichtformer und während man so zwischen Leitzahlen, Wattsekunden, Softboxpackmaßen und Grids hin-und her testet und überall auch genug Lektüre findet, tut man sich wesentlich schwerer brauchbare Infos über die Verbindung zwischen Kamera und Blitzanlage zu finden.

Inzwischen sind ein paar Jahre vergangen und wer mich kennt weiss das ich gerne unterschiedliches Equipment ausprobiere und immer versuche zu verstehen wo denn die Vor-und Nachteile sind. Meist hört man als Antwort auf „Ich möchte mir einen Funkauslöser kaufen, weiss aber nicht welchen“ viele Meinungen und meist ist mindestens ein „Ich habe Produkt XY und alles andere ist Mist“ dabei. Wie immer. Jeder hat das beste Equipment und alle die was anderes nutzen sind eh doof.

Hier also meine persönlichen Erfahrungen:

Optische Auslösung

Die meisten Blitze haben eine optische Blitzerkennung und können so als sogenannter „Slave“ mit blitzen wenn ein anderer Blitz ausgelöst wird. Ohne zusätzliches Equipment, ohne jegliche Intelligenz. Allerdings auch ohne Batterien oder anderes was möglicherweise defekt sein könnte.
Optische Slaves sind eine feine Sache.
Allerdings gibt es hier auch ein paar Nachteile: In der strahlenden Sonne gibt’s Probleme und wenn man mit großen Lichtformern arbeitet, kann man sich auch nicht immer drauf verlassen.

Kamerainterne Infrarot-Blitzsteuerung

Die kleinen Aufsteckblitze kann man normalerweise auch per Infrarot fernsteuern. Das heist man kann per Kameramenü auch die Einstellungen des Blitzes bzw der Blitze verändern. Hier wird auch HSS unterstützt. HSS steht für High-Speed-Synchronisation. Normalerweise ergibt sich ab einer Belichtungszeit schneller als 1/250s ein schwarzer Balken im Bild. Das liegt daran, das sich der Kameraverschluss dann schon schließt, während sich der andere noch öffnet. Das normale „Verschluss öffnet sich, Blitz löst aus, Verschluss schließt sich“ wird dann zu einem schmalen Streifen zwischen den beiden Vorhängen und macht das herkömmliche Blitzen nicht möglich. Also wird bei HSS eine schnelle folge Blitze abgefeuert um so den gesamten Sensor dem Blitzlicht auszusetzen. So sind auch sehr viel kürzere Belichtungszeiten realisierbar. Nachteil ist allerdings das die Leistung erheblich sinkt.
Die Nachteile der Infrarotblitzsteuerung sind vielfältig: begrenzte Reichweite, Fehlfunktionen bei Sonnenlicht und vor allem muss zwischen Kamera und Blitz Sichtverbindung vorhanden sein.

Kabel

Hier gibt es zwei Arten: den normalen Auslöserstecker an der Kamera (übrigens in meiner Top3 der schlechtesten Stechverbindungen dieser Welt) und solche für den Blitzschuh. Letzterer kann dann auch alle Funktionen der Infrarot-Steuerung übertragen, der andere kann nur einfach den Blitz auslösen. Das ist eine tolle Sache – vor allem so ohne Batterien. Aber ein Kabel ist irgendwie immer ein Fallstrick und gerade im Studio kostet ein Kabel gerne mal das ein oder andere lieb gewonnene Objektiv oder was auch immer kaputt geht wenn die Kamera zu Boden segelt.

einfacher No-Name Funkauslöser

Funkauslöser. Die einfachsten sind wirklich günstig und tun meistens was sie sollen: Blitze auslösen. Manche dieser billig-Auslöser haben genauso billige Plasikstifte um das Ding auf der Kamera zu halten und so wird aus dem „funktionieren meistens“ dann ein „funktionieren üblicherweise“ und später ein „funktionieren manchmal“ . Bei meinen No-Names ist es inzwischen ein „wenn man vorne etwas runter drückt, kann es durchaus sein das sie auch mal auslösen“.
Vorteile ganz klar: billig und nichts zum drüber stolpern.

Funkauslöser von Markenherstellern

Möchte man Auslöser von Markenherstellern, bietet sich ein Blick in das Sortiment des Herstellers eurer Blitze an. Bei mir ist das Elinchrom und so verwende ich die Auslöser, die auf den Namen „Skyport“ hören. Einige der Elinchrom-Blitze haben die Empfänger dafür schon eingebaut, und so gilt: einschalten und loslegen. Ein sehr schönes Extra: es gibt noch ein Model „Skyport USB“. Damit kann man so ziemlich alle Einstellungen der Blitze vom Rechner aus verstellen. Von der Blitzleistung über das Einstelllicht bis hin zur Blitzverzögerung und – das ultimative Top-Feature – dem Standby. Das macht es sehr leicht Lichtstimmungen zu erstellen, denn man kann jede Lampe einzeln auslösen und sich mit der Feineinstellung beschäftigen. Gerade bei komplexen Setups (etwa ab 4 Lampen) ist dieses Feature für mich kaum noch weg zu denken.
Es gibt dann noch universal-Empfänger um Blitze anderer Hersteller mit in das Setup ein zu beziehen (natürlich nur Standby und das Auslösen, alle anderen Features sind nicht verfügbar).
Ich denke andere Hersteller ziehen hier bald nach bzw. haben auch vergleichbares im Angebot.
Leider können weder die Studioblitze noch die Auslöser HSS – womit wir bei der nächsten Variante wären:

Highend-Funkauslöser

Zu den ganzen oben genannten Auslösern gesellt sich bei mir ein Pärchen Pocketwizard FlexTT5. Das ist wohl sowohl preislich als auch von der Featurevielfalt her sehr weit oben angesiedelt. Leider wird hier zwischen Canon und Nikon unterschieden. Wenn man (wie in meinem Fall) mit beiden Systemen arbeiten, führt das zwangsweise zu Problemen. Dafür wird man mit ein paar exzellenten Fakten belohnt: hervorragende Reichweite, bislang keine Fehlauslösungen, per USB update fähig und insgesamt kann man einfach so gut wie alles damit anstellen. Gute Sache. Aber das beste – und gleichzeitig der Hauptgrund für den Kauf – ist folgendes: Man nehme den HSS-fähigen FlexTT5 als Auslöser und darauf setze man einen Skyport. Dadurch bekommt man durchaus brauchbares HSS mit Studioblitzen…
Nachteil ist sicherlich der hohe Preis und die zu treffende Canon/Nikon-Entscheidung.
Die PocketWizards können auch zum Auslösen der Kamera verwendet werden, so sind zum Beispiel Setups mit mehreren zeitgleich ausgelösten Kameras realisierbar.

Sonderform Triggertrap

Ein völlig anderer Ansatz ist Triggertrap. eine Smartphone-App, die Kamera oder Blitze auslöst. Die App ist umsonst, allerdings ist ein Adapterkabel notwendig und das ist wiederum nicht so günstig. Dennoch ist Triggertrap etwas sehr besonderes. Viele Sensoren des Smartphones werden unterstützt. So ist es also möglich ein Zeitraffer zu erstellen. Zusätzlich zu der Option „alle 30 Sekunden“ kann so zum Beispiel „alle 500 Meter“ ein Foto erstellt werden. Foto bei Geräusch, Foto bei Erschütterung und so weiter… Nichts für jeden Tag, aber etwas das in meinem Koffer nicht fehlen darf.

Sonderform CamRanger

Relativ neu auf dem Markt und noch nicht sehr verbreitet ist der CamRanger. Ein kleines Gerät das per USB an die Kamera angeschlossen wird und dann ein Wlan aufbaut. Per Software oder App kann dann die Kamera (Nikon & Canon) fernbedient werden. Jegliche Einstellungen inklusive Fokus können verstellt werden. Zusätzlich werden geschossene Bilder übertragen und können so mit minimalen Verzögerungen auf hochaufgelösten Bildschirmen überprüft werden. Ergänzt durch Liveview, Timelapse-Funktionen und Fokus-Stacking ist der CamRanger ein wichtiges Hilfsmittel. Mit Blitzgeräten hat der CamRanger allerdings nichts am Hut.

Selbstgebautes

Besondere Aufgaben brauchen besondere Technik. So ein Blitz an sich ist ja nicht schwer auszulösen. Im Grunde sind es nur 2 Kontakte, die verbunden werden müssen. Für sehr exaktes Timing haben wir eine Industrie-Lichtschranke mit einstellbarer Verzögerung im Einsatz: Fällt irgend etwas durch diese Lichtschranke, so wird nach einer einstellbaren Zeit der Kontakt geschlossen und die Blitzanlage löst aus.

Bei extrem schnellen Dingen wie zum Beispiel „Projektil durchschlägt einen Apfel“ ist es sehr einfach sich etwas zu bauen:
Hinter dem Apfel werden mit etwas abstand zueinander zwei Metallplatten befestigt. An die wiederum werden zwei Kabel geklemmt, die mit den Kontakten des Blitzgeräts verbunden sind. Durchschlägt das Projektil den Apfel und trifft dann auf die erste Metallplatte, wird diese bewegt und gegen die zweite gedrückt. So hat man einen elektrischen Kontakt hergestellt und die Blitzanlage löst aus. Das ist sehr viel einfacher als eine Olive zu fotografieren die in ein Glas fällt und in dem Moment fotografiert werden soll in dem sie zwar schon im Glas ist, aber noch nicht den Boden berührt…

Fazit

So vielfältig die Bildideen sind, so unübersichtlich ist auch der Markt für Blitzauslöser. Diesen einen der alles kann gibt es nicht – und wenn wäre er wahrscheinlich 100 Kilo schwer…
Es ist wie immer: Man braucht für die richtige Anwendung das richtige Gerät.

Nachtrag

Wofür braucht man HSS?
Man hat bei einer Kamera mit Blitz fünf Dinge, die das Bild beeinflussen:
- ISO beeinflusst die Gesamthelligkeit von Blitz und Umgebungslicht sowie die technische Bildqualität
- Blende beeinflusst die Gesamthelligkeit von Blitz und Umgebungslicht sowie die Tiefenschärfe
- Belichtungszeit beeinflusst nur die Helligkeit vom Umgebungslicht, ergo ist es ein Regler für das Verhältnis Blitzlicht zu Restlicht
- die Blitzleistung beeinflusst die Helligkeit des angeblitzen Objekts
- die Umgebungsbeleuchtung beeinflusst die Helligkeit der Umgebung

Beispiel 1:
Christkindlmarkt, ein Model wird angeblitzt, im Hintergrund sind weihnachtliche Lichterketten in der Unschärfe zu sehen.
Einstellungen an der Kamera: ISO 400, 50mm, Blende 2.8, 1/40s Belichtung
Alles in Butter. Möchte man mehr Lichterkette, nimmt man eben 1/20s Belichtung, möchte man alles heller haben geht man mit der ISO weiter rauf.

Beispiel 2:
Bei Feuerspuckern taucht ein Problem auf: Feuer braucht um gut auszusehen auf jeden Fall sehr kurze Belichtungszeiten. Am besten etwas schnelleres als 1/1000s. Am besten viel schneller. Das Feuer gilt hier als Umgebungslicht. Möchte man dazu blitzen (um den Feuerspucker selbst noch zu illuminieren), müsste man auf die kurze Verschlusszeit verzichten – also hat man die Wahl: Entweder ist der Feuerspucker dunkel aber das Feuer ist toll, oder der Feuerspucker ist toll und das Feuer selbst überstrahlt und verschwommen ohne Zeichnung.
Hier ist HSS die erste Wahl: extrem kurze Belichtungszeiten mit Blitz.

Beispiel 3:
Model gegen die Sonne mit geringer Tiefenschärfe und Blitz zum aufhellen verwendet (warum kein Bouncer? Weil die Models dann gerne fernöstich aussehen mit den zugekniffenen Augen).
Die gewünschte Tiefenschärfe gibt eine sehr offene Blende vor. Mit ISO ist man wahrscheinlich am unteren Ende angekommen und mit der Belichtungszeit immer noch sehr weit jenseits der Synchronzeit. Also muss man notgedrungen mit der Zeit weiter runter und HSS verwenden, was ein weiteres Problem aufwirft: Bei HSS verlieren die (ohnehin schwachen Aufsteckblitze) sehr viel Leistung. Normalerweise sind es etwa 6 Blenden. Und genau an dieser Stelle entstand der Wunsch die Studioblitze mit HSS zu versehen.

Wie funktioniert HSS mit Studioblitzen

Jeder Blitz hat eine sogenannte Abbrennzeit. Das ist die Zeit, die vom Blitz benötigt wird um von voller Leistung auf 0 runter zu gehen. Es ist also die Zeit des Blitzes. Hier variieren die Blitze sehr stark – manche Studioblitze haben eine Abbrennzeit von 1/800s, unsere Quadra kommt auf etwa 1/4000s und die Aufsteckblitze benötigen nur 1/20000s für einen Blitz, manche noch weniger. Natürlich ist die Abbrennzeit abhängig von der Leistung – bei Aufsteckblitzen gilt: je niedriger die Leistung, desto kürzer die Abbrennzeit. Bei Studioblitzen ist es meist anders herum – diese haben die kürzeste Abbrenndauer bei höchster Leistung. Dennoch sind Studioblitze wesentlich langsamer als Aufsteckblitze.
Bei HSS wird der erste Blitz noch vor dem öffnen des ersten Vorhangs ausgelöst. Das heisst: Wenn mein Blitz langsamer als meine Gesamtbelichtungszeit, kann ich die langsame Abbrenndauer einer Studioblitzanlage nutzen um kürzere Synchronzeiten zu realisieren. Nachteile gibt es hier aber natürlich auch: Man zweckentfremdet ja die Technik ein wenig, so muss man mit einem Helligkeitsverlauf von bis zu 3 Blenden über das Bild rechnen und hat meist auch einen schmalen schwarzen Streifen (etwa 1/10 des Bildes). Man muss also bei der Komposition schon wissen was man macht – den Helligkeitsverlauf kann man durch geschicktes Positionieren der Blitzanlage auch nutzen und so dem Lichtabfall durch Entfernung entgegen wirken. Oder man dreht einfach an der Belichtung im RAW-Konverter. 3 Blenden sind normalerweise noch kein wirkliches Problem. Der schwarze Streifen… naja – muss man halt ein bisschen croppen – die volle Auflösung braucht man meist eh nicht…

Viel Spaß beim Kopf zerbrechen ;-)