Der camSlider

Ende 2010 habe ich den CineSlider von Kessler entdeckt. Ein tolles Teil, das ich sofort haben wollte, leider ist es in meinen Augen zu teuer und auch nicht genau das was ich suche. Also entschloss ich mich zum Selbstbau – damals wusste ich noch nicht, was das für ein Monsterprojekt wird.

Für die, die es nicht wissen eine kleine Einleitung:

Wenn man filmt, kann man seine Kamera schwenken. Das ist toll – nur auf Dauer ganz schön Langweilig. Wenn man die Kamera stattdessen bewegt, bekommt der Film mehr Tiefe, da sich Gegenstände gegeneinander bewegen (Vordergrund gegen Hintergrund). Eine gleichmäßige Fahrt hinzubekommen ist ungleich schwerer als einen sauberen Schwenk zu vollziehen – deshalb gibt es Hilfsmittel wie den CineSlider. Eine ca 1 Meter lange Schiene, auf der die Kamera bewegt werden kann. Das ganze gibt es dann auch noch mit Motor.

Warum selbst bauen?

Ich bin fasziniert von der Idee, Fahrten mit hoher Präzision wiederholen zu können. Das heißt dann aber:

  • motorgetrieben
  • gesteuert durch Mikrocontroller
  • speicherbare Kamera-Positionen

Und weil das noch nicht sportlich genug ist:

  • einstellbare Geschwindigkeit
  • einstellbare Beschleunigung und Abbremsung
  • elektronische Anzeige der momentanen Einstellungen

Nach langem Suchen habe ich die Firma IGUS gefunden, die Industriegleitlagersysteme herstellt. Das sind beschichtete Schienen, auf denen ein Schlitten läuft. In meinem Fall handelt es sich um ein IGUS DryLinW 10-80-10.

Die Schiene ist aus einem unglaublich tollem Material. Erinnert ein bisschen an eine beschichtete Pfanne – nur hat man die Kamera selten in einer Teflonpfanne.

Nachdem hier die Aufnahme für das Stativ gebohrt wurde und der Schlitten mit einer Aufnahme für den Fluid-Head versehen wurde, habe ich natürlich erst einmal ein paar Tests gemacht. Das war auf der einen Seite schon recht fein, aber man kann die Kamera kaum sauber bewegen – man sieht einfach jedes ruckeln im Film.  Sehr unbarmherzig so eine Kamerafahrt.

Aber die Geschichte geht ja weiter…

Als Motor wurde ein Schrittmotor der Firma NanoTec (München) verwendet. Stolze 1300g habe ich hier bei Ebay gekauft, mit einem Spulenstrom von 0.9A ist er recht “durstig”, aber das hat mich Anfangs nicht gestört. Die Probleme sollten dann erst bei der Steuerung aufkommen.

Dieser Motor wurde mit einem Zahnriemenantrieb versehen. Auf die Motorachse und gegenüberliegend wurde ein Zahnriemenrad angebracht, auf der Schiene läuft ein 2m langer Zahnriemen T2.5 mit 10mm Breite. die ersten motorisierten Fahrten waren schon recht beeindruckend. In 7.7s fährt man die 850mm sehr sauber ab. Langsamer geht auch – viel langsamer: bis zu 108 Stunden kann die Fahrt dauern, das sind mehr als 4 Tage und ermöglicht schöne Timelapseaufnahmen – wenn denn der Akku der Kamera mitmachen würde. Das soll aber in diesem Stadium noch kein Problem sein.

Das Herzstück der Steuerung ist ein Arduino Mega Clone. Im ersten Prototypen habe ich die gesamte Verdrahtung ‘fliegend’ realisiert, das heisst Widerstände direkt an Dioden und Schalter gelötet, die Verkabelung komplett ohne Platinen mit Schaltungsdraht als Kabelbäume ausgeführt.

Das Gehäuse kommt von Conrad Elektronik, hat hier die Bestellnummer 534499, die Frontplatte habe ich selbst entworfen und von der Firma Schaeffer-AG fräsen lassen. Es gibt hier ein Programm namens “Frontplattendesigner”, die Datei für die Frontplatte findet sich hier.

Folgende 1xUM-Schalter sind verwendet: (auf Ebay gefunden)

Free Run: Links/Stop/Rechts
Goto Position: Links/Stop/Rechts
Damping: Links/Beides/Rechts
Speed: 0.1x/1x/10x

Dann gibt es noch drei Taster: (Klingeltaster von Ebay)

Set Position 1
Set Position 2
Clear Positions

Und natürlich gibt es zwei Potis: (Conrad 450016 und 718295)

Speed
Damping

Im Gehäuse der Steuerung sind folgende Buchsen vorhanden:

XLR female: Endabschaltung rechts (Conrad 730818)

XLR female: Endabschaltung links

Speakon female 4-pol: Motoranschluss (Pollin 94-450360)

Kaltgerätebuchse mit Sicherung und Netzschalter (Conrad 501637)

Zur Kühlung des ganzen gibt es zwei Papstlüfter (Conrad 94-320359), zur Anzeige der Betriebszustände wurde noch ein 16×2 I2C-Display integriert (Lipoly DFR-DFR0063).

Die Schaltung kann man hier sehen und als PDF runterladen.

Und hier gibt’s den Code für die Steuerung.